Interviews mal anders
Ich sage gleich, "ich spiel mal ne Runde" zieht in Mass Effect 2 wirklich nicht. Es benötigt Zeit, viel viel Zeit. Beschränkt man sich auf die reinen Storymissionen und vermeidet jedes Gespräch, lässt jegliches Scannen von Planeten für Ressourcen aus und vermeidet das Aufrüsten von Inventar, schafft es ein geübter Spieler in guten 15 Stunden Spielzeit zum Creditbildschirm. Lässt man sich Zeit und versucht möglichst viel von der Galaxie mitzubekommen, können es auch mal 40 Stunden werden. Was mir absolut nicht gefällt, ist dieses bittere Gefühl am Ende eines Spiels, soviel verpasst zu haben. Um jede mögliche romantische Beziehung, Waffensystem, Charakterentwicklung oder schlicht und ergreifend "Wer stirbt wann" herauszufinden, sollte man das Spiel mindestens drei mal durchspielen, oder eben alle fünf Minuten einen neuen Spielstand anlegen.
Ich für meinen Teil habe mich für einen aggressiven, männlichen Wächter, geboren auf der Erde und absolut rücksichtslos, entschieden. Dazu gehört natürlich bei jeder Dialogoption immer negativ aufzufallen. Neu bei Mass Effect 2 sind die in Gespräche eingreifenden Aktionen. Wenn euch jemand zu sehr von der Seite belabert, könnt ihr ihm negativ oder auch positiv die Fresse polieren. Ich musste ziemlich lachen, als mich eine Reporterin interviewen wollte, damit anfing ihre fallenstellenden Fragen auszupacken und ich ihr in gewohnter Interviewmanier mal gehörig ins Gesicht geklatscht habe, und zwar keinen Applaus. Leider gehen diese Aktionen nur, wenn das Spiel es einem erlaubt, also viel zu selten für meinen Geschmack.
Dass jede Aktion Auswirkung auf die Zukunft hat, ist bei Mass Effect ja nichts neues und muss auch nicht weiter thematisiert werden als: es funktioniert. Beim Start des Spiels kann der alte Charakter aus dem ersten Mass Effect geladen werden, um sogar die Auswirkungen des alten Teils auf den neuen zu übertragen (was auch von ME 2 auf ME 3 funktionieren wird).
Um wieder auf die Rekrutierung von Crewmitgliedern zurück zu kommen: Jedes Crewmitglied muss erst durch eine Mission dazu überedet werden, sich euch anzuschließen, danach hat jeder Charakter noch ein eigenes, persönliches Anliegen. Alle diese Missionen bestehen fast ausnahmslos aus dem Töten von allem Beweglichen und werden mit der Loyalität, und somit dem Erhalt einer neuen Kraft, des jeweiligen Charakters belohnt.
Das Stufensystem erfindet auch kein Rad neu, ihr erhaltet Erfahrung, die ihr dann für neue Fähigkeiten eintauschen könnt. Ihr solltet euch bei der Charaktererstellung aber genau überlegen was ihr für Ansprüche stellt, nach 3 Stunden Spielzeit zu merken, dass Feinde Star Wars ähnlich in die Luft zu heben uncool sei, versaut euch das ganze Spiel. Was mich aber wirklich genervt hat sind die Waffen in Mass Effect 2. Wo man im ersten Teil noch von Waffen, Upgrades und Munitionsarten überschüttet wurde, kann man die gefundenen Waffen im zweiten Teil an einer Hand abzählen. Als treuer Fan des NRA ist das ein Alptraum für mich.
Zum Sound und der Musik kann ich nur sagen: beeindruckend imposant. Schüsse und Explosionen hört man die Gewalt richtig an und die Musik reiht sich zwischen Fluch der Karibik und Gladiator ein.



