Lüfter übernehmen eine der wichtigsten Funktionen im Elektronikbereich – der Kühlung. Bei zu hohen Temperaturen kann die wertvolle Hardware Schaden nehmen oder zumindest nervige Abstürze bereiten. Daher testen wir heute die neueste Serie des bekannten Herstellers Scythe, die fünf 120mm Slip Stream-Lüfter. Hier ist für jeden etwas dabei, angefangen bei Silentfreaks bis hin zu den Hartgesottenen, die sich auch für 40 Dezibel nicht zu schade sind. Wie sich die Serie von 500 bis 1900 Umdrehungen pro Minute schlägt, erfahrt ihr im Folgenden.
Wir bedanken uns natürlich bei Scythe-EU für die unkomplizierte Bereitstellung der Testmuster!
Spezifikationen & Zubehör
Zunächst die Spezifikationen:
- 500 / 800 / 1200 / 1600 / 1900 rpm
- 7,5 / 10,7 / 24 / 33 / 39 dB(A)
- 24,5 / 40,17 / 68,54 / 88,11 / 110,31 CFM
- 41,6 / 68,2 / 116,4 / 149,6 / 187,3 m³/h
- 0,07 / 0,1 / 0,26 / 0,41 / 0,53 A
- 115g
- 120x120x25mm
- Gleitlager
- 30000 Stunden MTBF
- 3-pin Anschluss (4-pin per mitgelieferten Adapter)
Die Seriennummern der jeweiligen Modellen (nach RPM aufsteigend) lauten „SY1225SL12“ mit dem Zusatz „SL“, „L“, „M“, „H“ und „SH“, was wohl Super Low, Low, Mid, High und Super High (... Airflow) bedeuten soll.
Die wesentlichen Vorteile der Slip Stream- oder auch Kaze Jyuni-Serie sind die vergrößerten Lüfterblätter (insgesamt neun) sowie die verkleinerten Naben, wodurch mehr Luftdurchsatz erreicht werden soll. Diese sind außerdem nicht wie gewöhnlich viereckig, sondern dreieckig. Daher stößt die bewegte Luft nur auf eine Kante, statt auf eine Fläche, es entsteht also weniger Luftwiderstand.
Im Lieferumfang befinden sich neben dem Lüfter noch ein 3-pin auf 4-pin Adapter sowie vier Lüfterschrauben. Nicht wirklich viel, zu dem Preis aber durchaus in Ordnung. Die Länge des Kabels beträgt (ohne Stecker) ca. 30cm, in Big-Towern könnte es also eng werden. Es ist darüber hinaus auch nicht ummantelt oder sonstiges dergleichen.
Verpackung & Verarbeitung
Die Verpackungen sind für unsere Region ungewöhnlich bunt. Dies kommt daher, dass Scythe eine Firma aus Japan ist und Verpackungen japanischer Art auch in Europa verwendet. Auf ihnen sind alle möglichen Informationen auf Englisch abgedruckt, z.B. Seriennummer, Umdrehungsanzahl, Lautstärke, etc.. Auf der Rückseite befinden sich detailliertere Angaben, unter anderem ein Vergleich des Luftstroms eines Slip Stream-Lüfter im Vergleich zu herkömmlichen Scythe-Lüftern (wir nehmen an, damit sind die Lüfter gemeint, die standardmäßig bei den Kühlern mitgeliefert werden). Bei 500rpm sind dies z.B. über 8 CFM, bei 1900rpm über 40 CFM Vorteil zu Gunsten der „Neuen“. Außerdem abgebildet sind weitere Angaben in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Japanisch.
An der Farbe der Verpackung lässt sich auch die Lüftergeschwindigkeit identifizieren: Die 500rpm-Variante hat ein sehr helles blau, die 1900rpm-Variante geht schon in lila über. Je dunkler die Farbe, desto höher die Geschwindigkeit.
Man kann sich anhand der Verpackung also gründlich über den Lüfter informieren. Dieser ist durch die Plastikhülle voll sichtbar (von vorne).
Die Verarbeitung könnte leider besser sein – wo man hinsieht, nur scharfe Kanten. Durch die dreieckige Form der Naben haben diese bekanntlich auch drei Kanten – zwei davon sind sehr scharf. Im „Eifer des Gefechts“ könnte man sich hier schnell eine Schnittwunde hinzuziehen. Wenigstens wurden die äußeren Kanten, die man normalerweise anfasst, im wahrsten Sinne des Wortes entschärft. Auch die Lüfterblätter weisen keine scharfen Kanten auf – sehr wichtig, denn die Kraft der unscheinbaren Lüfter wird oft unterschätzt.
Leistung & Lautstärke
Nun genug der Theorie – jetzt kommen Zahlen! Wir haben unser Testsystem mit jedem Modell aus dem Testfeld ausgestattet und anschließend mit dem Programm Intel TAT eingeheizt.
Das System ist Folgendes:
- Intel Core 2 Duo E6420 @ 3,2GHz @ 1,35V
- Kühlung: Noctua NT-H1 + Scythe Mugen (Noctua NF-P12, Scythe Minebea, Slip Stream, Yate Loon D12SL-12)
- Asus P5K Premium
- Gainward 8800GTS 640mb
- Lian Li PC-G7B (1x 120mm Front@1100 rpm)
Aus den dabei erreichten Höchsttemperaturen unter Last bzw. bei Leerlauf haben wir folgendes gemessen. Die Zimmertemperatur betrug 21°C.
(SS=Slip Stream, YL=Yate Loon D12SL-12)
Wie man sehen kann, sind die Temperaturunterschiede sehr gering. Erst bei den höheren Modellen liegt der Unterschied bei 2°C unter Last. Bei den zwei kleinsten Varianten tut sich gar nichts, auch geräuschmäßig ist hier keine große Differenz erkennbar.
Das größte Modell hat ein relativ schlechtes Lautstärke/Temperatur-Niveau. Es ist sehr viel lauter als das Modell mit 1600 rpm, bringt aber nur 1°C im Leerlauf und 3°C unter Last Verbesserung. Es ist daher nur etwas für diejenigen, die auch das letzte aus ihrem Prozessor mit Luftkühlung herauskitzeln wollen.
Beim Test fiel außerdem auf, dass die tatsächliche Umdrehungszahl oft höher war, als angegeben. Das Modell mit 500 rpm lief mit 550 rpm, die 800er Version mit 900 rpm, die Variante mit 1200 rpm mit 1300 rpm. Alle Varianten hatten sehr unkonstante Drehzahlen, die immer mit ca. 80 rpm um die eingestellte Geschwindigkeit pendelten. Hierbei muss allerdings jeder für sich entscheiden, ob dies Vor- oder Nachteil ist. Auf jeden Fall ist es kein Fehler Seitens Scythe, da sich alles innerhalb der 10% Toleranz abspielt.
Ein für die Lautstärke wesentlicher Knackpunkt ist die Region um 1200 rpm, ab ca. 1250 rpm werden die Lüfter deutlich lauter. Die zwei kleinen Varianten sind unhörbar, die 1200 rpm-Version ist zwar hörbar, aber leise, und die beiden großen Versionen sind deutlich hörbar.
Am ehesten ist die 1200 rpm-Variante zu empfehlen, da diese leise und dabei noch recht stark auf der Brust ist (ca. auf dem Niveau der lauteren Modelle Minebea und dem beliebten D12SL-12 von Yate Loon). Außerdem bietet sie für empfindliche Gehörgänge auch noch genug „Luft nach unten“ (bei 7V ca. 900 rpm).
Fazit:
Mit der neuen Slip Stream-Serie spricht Scythe ganz offensichtlich die preisbewussten Kunden an. Dies zeigt sich dann auch in der Form, dass die Verarbeitung verbesserungswürdig ist und beispielsweise das Anschlusskabel sehr knapp ausgefallen ist. Den Zweck der Luftbeförderung erfüllen die Modelle aber sehr gut, und das bis 1200 rpm auch noch bei einer angenehmen Geräuschkulisse. Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass Scythe hier eine gute Produktreihe auf den Markt gebracht hat, die jedoch ein paar Schönheitsfehler besitzt. Dies hindert sie aber nicht daran, mit einem exzellentem Preis-Leistungs-Niveau zu glänzen.
15.01.2008




