Touchscreen. Zwei Bildschirme. Stylus. Das klang 2004 nicht wirklich nach einer Spielkonsole. Von vielen in der Branche anfangs belächelt. Das ist der Nintendo DS. Mein erster Gedanke war: "Damit kann man bestimmt viele coole Dinge machen, außer spielen". Opera hat es mit dem Browser vorgemacht. AQ Interactive stellte jüngst eine Softwareversion des Korg MS20 namens Korg DS-10 für den Nintendo DS vor. Wie tauglich ist eine Umsetzung eines analogen Synthesizers für eine Spielkonsole?
Zuerst muss ich erwähnen, dass Korg DS-10 kein Spiel ist. Keine Ziele müssen erreicht, Levels durchgespielt oder Punkte gesammelt werden. Korg DS-10 ist einfach nur die Emulation eines beliebten Synthesizers.
Nach dem Start des Moduls muss man sich entscheiden, ob Solo an einem Song oder im Multi-User-Betrieb gearbeitet wird. Den Multi-User-Modus habe ich leider nicht testen können, daher werde ich nicht darauf eingehen können.
Im Solo-Modus wähle ich zunächst eine der 18 freien Speicherplätze aus. Zwei Speicher sind mit (guten) Demo-Songs vorbelegt. Somit stehen einem prinzipiell 20 Speicherplätze, sprich 20 Songs zur Verfügung.
Anschließend befinde ich mich schon im Synthesizer. Die beiden Screens werden vollständig ausgenutzt. Mit der linken Schultertaster werden die beiden Screens getauscht, so dass eine vollständige Bedienung mit dem Stylus möglich ist. Auf dem oberen Bildschirm wird der gesamte Weg bis zur Produktion eines Songs grafisch dargestellt. Hier erkennt man auch, welches Modul gerade in Verwendung ist. Dies wird durch eine kleine rote Leuchte angezeigt. Zur Verfügung stehen zwei Synthesizer und ein Drum-Sequenzer. Songs sind in sogenannte Patterns unterteilt und werden durch arrangieren der verschiedenen Patterns erstellt.
Somit wird das Vorgehen für ein neuen Song quasi vorgegeben. Zuerst werden die gewünschten Patterns erstellt. Dazu kann man pro Synthesizer und Pattern einen Klang erzeugen, oder einen Vordefinierten benutzen, bzw. nach seinem Wünschen verfeinern. Der neu erstellte Klang kann natürlich abgespeichert werden, falls eine Benutzung in weiteren Songs möglich sein soll. Alle Klänge werden synthetisch erzeugt. Es gibt keine Samples. Insgesamt 48 Klänge können abgespeichert werden.
Eine Besonderheit ist die Emulation der analogen Verdrahtung mittels eines Patchpanels am Ende der Effektkette für einen Klang. Einfach den gewünschten Effekt antippen, Stylus nicht abheben und zum gewünschten Eingang ziehen. Dazu können noch weitere Filter per Drehregler eingestellt werden. Ganz wie bei der analogen Hardware-Variante.
Will man seine musikalischen Ergüsse zu digitaler Form bringen, kann zwischen einer Klaviatur und dem so genanntem KAOSS-Pad gewählt werden. Die Klaviatur muss nicht näher erläutert werden. Nur so viel: Es funktioniert nur wenn es auf dem Touchscreen dargestellt wird.
Mit dem KAOSS-Pad werden Parameter der Klänge durch Veränderung der X- und Y-Achse durch Bewegung des Stylus auf dem Touchscreen verändert. Das äußert sich in dem beispielsweise die Bewegung um die X-Achse die Tonhöhe ändert, um die Y-Achse die Tondauer. Weitere Einstellungen können gewählt werden. So ist es auch möglich Panorama (Ausrichtung des Klangs nach links/rechts im Stereopanorama) und Lautstärke per KAOSS-Pad zu steuern. Korg DS-10 lässt auch eine individuelle Belegung der Achsen mit Funktionen zu.
Das KAOSS-Pad macht viel Spaß, vor allem wenn ein Song schon eine Drum und Basslinie hat. Dann können tolle Sounds mit dem zweiten Synthesizer erzeugt werden.
Der Drumcomputer ist einfach zu bedienen. Es stehen vier verschiedene Spuren, denen vier verschiedene Klänge zugeordnet werden können, zur Verfügung. Diese können entweder "Live" per Pads eingespielt werden, oder mit einem einfachem Sequenzer erstellt werden.
Die Patterns werden abschließend noch gemischt. Dazu steht einem ein Mischpult für die zwei Synthesizer und den vier Drum-Spuren zur Verfügung. Lautstärke und Panorama (Links/Rechts im Stereo-Panorama) können für jeden dieser Kanäle eingestellt werden.
Wer möchte kann einen Effekt auf die gemischten Patterns legen. Dazu zählen Effekte wie Delay, Flanger und Chorus. Diese wiederum können entweder nur dem Synthesizer 1 oder 2, beiden Synthesizern, nur den Drums oder allen Kanälen zugeordnet werden.
Wurden alle Patterns erstellt und gemischt, kann der endgültige Song zusammengepuzzelt werden. Dazu werden die verschiedenen Pattern einfach in einer Art von Sequenzer in der gewünschten Reihenfolge aktiviert. Dazu steht einem eine Matrix zur Verfügung. Auf der Y-Achse sind die Patterns, die X-Achse beschreibt den Schritt im Song.
Fazit:
Korg DS-10 zeigt einmal mehr, was mit dem Nintendo DS machbar ist. Dieser kleine Hosentaschensynthesizer macht Spaß. Unterwegs seine Songidee festhalten, zu hause verfeinern und abmischen. Den Drumcomputer verwenden um als Musiker nicht immer zu einem Stupiden Metronom klicken zu üben. Oder einfach nur damit rumspielen, seine Songs verwirklichen. Das sind mögliche Einsatzgebiete dieser Software. Musikbegeisterte werden ihre wahre Freude daran haben. Einzig die Tatsache, dass man die fertigen Stücke nicht (legal) als wav, mp3 oder ähnlichem Exportieren kann, trübt die Freude ein wenig. Doch ist Korg DS-10 auch nicht als ernst gemeinter Instrumentenersatz anzusehen. Ich empfehle jedem, der gerne Musik macht, die Investition. Für den Preis bekommt man nirgendwo einen vollständigen Immer-dabei-Synthesizer! Hervorzuheben ist die umfangreiche Anleitung, die einem niemals im Stich lässt und jeden einzelnen Punkt gut beschreibt.
28.12.2008



